29. Intern. Feuerwehr-Jugendlager zur Pflege und Sanierung von Soldatenfriedhöfen aus dem 1.Weltkrieg
Oberösterreichs Feuerwehrjugend im zweiwöchigen, humanitären Einsatz in Polen -
Renovierung von Soldatenfriedhöfen im Rahmen der Kriegsgräberpflege durch das Oberösterreichische Schwarze Kreuz.
Seit über fünfzig Jahren ist die oberösterreichische Feuerwehrjugend in enger Zusammenarbeit mit dem Schwarzen Kreuz bei der Kriegsgräberpflege in den Soldatenfriedhöfen aus dem 1.Weltkrieg, vorwiegend in Südtirol, in Italien und in Südpolen (Malopolska), eingesetzt. Das Ziel dieser Aktion ist es, den Jugendlichen im Zuge ihrer Arbeiten auf den verschiedenen Soldatenfriedhöfen die Sinnlosigkeit von Kriegen und der damit verbundenen, zahlreichen Opfer bewusst vor Augen zu führen.
Über Initiative des OÖ. Landesfeuerwehrkommandanten und Präsident des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes, Landesbrandirektor Robert Mayer, und seinem Stellvertreter LBD-STV Michael Hutterer, dem Landesgeschäftsführer des OÖ.Schwarzen Kreuzes Brigadier Dr. Johannes Kainzbauer und dem Turnusleiter Ehrenbrandrat Christian Huemer aus Scharnstein brachen am Sonntag, den 26.Juli 2026 bereits zum vierten Mal (vorher 2007, 2016) und 2023) 24 Jungfeuerwehrmitglieder (17 Burschen und 7 Mädchen) und 7 Betreuer und 2 Betreuerinnen aus ganz Oberösterreich mit drei Fahrzeugen unter der Leitung von Ehren-Brandrat Christian Huemer und dem „Legionär“ E-BR Josef Riedl nach Südpolen auf, um in der ca. 750 Kilometer entfernten Gemeinde Plesna im Landkreis Tarnow (ca. 80 Kilometer östlich von Krakau) zwei Soldatenfriedhöfe aus dem Ersten Weltkrieg tatkräftigst zu renovieren und instand zu setzen. Bezüglich des zu erwartenden Arbeitsumfanges war bereits eine Besichtigung der zur Sanierung in Frage kommenden Soldatenfriedhöfe anfangs November 2025 vorausgegangen.
In der Gemeinde Plesna, eine sich über 84 km² weitläufig erstreckende Gemeinde mit ca. 12 000 Einwohnern und 11 eigenen Ortsteilen, befinden sich an die 20 österreichisch-ungarischen Soldatenfriedhöfe aus dem ersten Weltkrieg, einem ehemalig heiß umkämpften, typisch hügeligen Gebiet (südschlesisches Hügelland), in dem sich russische und österreichisch-ungarische Soldaten kämpfend gegenüberstanden. Die Grabstätten befinden sich meist auf den zahlreichen Hügeln, oft auch versteckt tief im Wald und nur erschwert mit Fahrzeugen erreichbar, sodass das Werkzeug auch per Fußmarsch transportiert werden musste. Die Pflege dieser Friedhöfe ist eine der vielen Aufgaben des Schwarzen Kreuzes in enger Kooperation mit der örtlichen Gemeinde. Die Friedhöfe sind alle nummeriert und Ortsteilen zugeordnet. Diesmal standen die Friedhöfe Nr. 159 (Meszna Opacka/Lichwin),und Nr. 187 (Lubinka) zur umfangreichen Sanierung an.
Die Unterbringung und die hervorragende Verpflegung der Jugendlichen erfolgte in der Mittelschule Rzuchzowa/Gmina Plesna in Form eines Jugendlagers. Der Tagesablauf bestand darin, dass am Vormittag in Hinblick auf die herrschenden hochsommerlichen Temperaturen meist über 30°C die koordinierten Arbeitseinsätze in zwei Arbeitsteams auf beiden Friedhöfen erfolgten, bestens unterstützt durch die örtliche Gemeinde Plesna, allen voran Vize-Bürgermeister Ryszard Stankowski und der zuständige Sachbearbeiter Mateusz Dunaj, mit Gerätschaften und Material. Die Tätigkeiten der Jungfeuerwehrmitglieder bestand darin, das wuchernde Gras im und um die Friedhofsbereiche zu entfernen, die verschiedenen Grabkreuze von Moosen und Flechten mit Drahtbürsten zu säubern, die Umzäunung instand zu setzen und zu reinigen, den gesamten Friedhofsbereich von Unrat und Zugangswege von Stauden und Sträuchern zu säubern. Als gewaltige Herausforderung galt die Entfernung einer dichten, bereits ausgewachsenen und wild wuchernden Strauchhecke am Friedhof Nr. 159, der sogar den Einsatz von Motorsägen erforderte. Ebenso gestaltete sich die Imprägnierung und Auftragen einer Farblasur der Umzäunungen sowie das Nachlackieren der Kreuze auf beiden Friedhöfen als besonders schweißtreibend.
Vorbereitet durch einen improvisierten „Geschichtsunterricht“ von E-BR Christian Huemer aufgrund seines ehemaligen Berufes als Lehrer an Mittelschulen, zeigten die Jugendlichen großes Interesse an ihrer humanitären Tätigkeit. Es tauchten seitens der Jugendlichen viele interessante Fragen über die Soldatenfriedhöfe auf, was wiederum ein Beweis ist, dass die Thematik durchaus auch die Jugend anspricht. Manche Jugendliche haben einen erstaunlich hohen Wissenstand und stehen den präsentierten Themen durchaus auch selbstkritisch gegenüber. An Aktualität war das Thema ja kaum zu überbieten, als sich die Jugendlichen bewusst wurden, dass ja kaum 150 Kilometer weiter östlich die Ukraine sich in der direkten, kriegerischen Auseinandersetzung mit Russland befindet.
In insgesamt sieben intensiven Arbeitseinsätzen wurden alle angefallenen Arbeiten zur vollsten Zufriedenheit erledigt, wobei sich alle Jugendlichen, sowohl Burschen als auch Mädchen tatkräftigst, eifrig und vorbildlich beteiligten.
Zwischendurch war ein interessantes und abwechslungsreiches Freizeit-und Besichtigungsprogramm Ansporn für die Jugendlichen, sich immer aktiv am Arbeits-geschehen zu engagieren. Sechs Highlights waren sicherlich die interessante Führung im Salzbergwerk Bochnia, in dem über 700 Jahre lang bis 1990 Steinsalz in seiner reinsten Form abgebaut wurde und heute auch als Sanatorium für Atemwegs-erkrankungen dient, die Besichtigung mit Führung der Bezirksstadt Tarnow mit ca. 120 000 Einwohnern und einem schönen, mittelalterlichen Hauptplatz, die Exkursion zur Berufsfeuerwehr von Tarnow und schließlich der Besuch der heimlichen Hauptstadt von Südpolen, der im Zentrum mittelalterlich geprägten Stadt Krakau mit den berühmten Tuchhallen und der imposanten Marienkirche.
Als Höhepunkt erwies sich auch die Floßfahrt auf dem Fluss Dunajec an der südlichen Grenze zur Slowakei durch den sogenannten Dunajec-Durchbruch zwischen hochaufragenden Felsen. Die Flussfahrt führte durch ein landschaftlich herrliches Gebiet, teilweise auf ruhigem Wasser, teilweise auf kleinen Strom-schnellen. Das herrliche Sommerwetter trug ebenfalls zur guten Stimmung und Erholung bei. Den Abschluss bildete die Fahrt zum berühmten Wintersportort Zakopane am Fuße des Tatra-Gebirges mit seinen anlässlich der Olympischen Winterspiele errichteten vier beeindruckenden Groß-Sprungschanzen-Anlagen und der Flaniermeile mit unzähligen Souvenirgeschäften.
Nicht unerwähnt sollte auch der Kontakt mit den Jugendlichen der Jugendgruppe der FF Szczepanowice unter ihrem Kommandanten Michal Kot bleiben, der einen unvergesslichen Abend mit Grillerei, Vorführungen und einem musikalischen Highlight mit verschiedenen Tanzeinlagen organisierte und die Jugendgruppe aus Oberösterreich mit persönlichen Gastgeschenken überraschte. Spätestens beim gemeinsamen Abschiedslied im Freundschaftskreis, bei der Reinhard Fendrichs „I am from Austria“ begeistert von allen lautstark gesungen wurde, war bei den Betreuern und den Kameraden der polnischen Feuerwehr „Gänsehaut“ zu spüren – völkerverbindende Kameradschaft pur!
Am Donnerstag, den 6. August fand um 16.00 Uhr die Abschlussfeier auf dem Friedhof Nr. 187 (Lubinka) statt, der im Baumschatten liegt und infolge der drückenden Schwüle eine etwas angenehmere Atmosphäre versprach.
Kurz vor 16.00 Uhr trafen die Ehrengäste ein, unter ihnen auch der ehemalige Vizemarschall von Kleinpolen und ehemaliger Bürgermeister von Plesna, Prof. Dr.h.c. Ladislav Sory. Die Jugendlichen und Betreuer nahmen spaliermäßig Aufstellung links und rechts vor dem großen Kreuz in der Friedhofsmitte.
Die Abschlussfeier begann mit einer Begrüßung der Ehrengäste direkt am Friedhof durch E-BR Huemer. Es erfolgte das Abspiel der österreichischen und der polnischen Bundeshymne in „Habt-Acht-Stellung“. Danach folgten die Ansprachen des Bürgermeisters der Gemeinde Plesna, Jozef Knapic, des Geschäftsführers des Schwarzen Kreuzes, Brigadier a.D. Dr. Johannes Kainzbauer, des Vize-Marschalles a.D. Ladislav Sory und unseres Landesfeuerwehrkommandanten LBD Robert Mayer, die grundsätzlich von den Aussagen her ähnliche Inhalte aufwiesen:
In den Ansprachen wurde auf die Wichtigkeit der Pflege der Soldatenfriedhöfe aus dem Ersten Weltkrieg hingewiesen, die eine Hauptaufgabe des Schwarzen Kreuzes darstellt. Die Gemeinde Plesna ist nach wie vor sehr bemüht um einen guten Kontakt und eine gute Zusammenarbeit mit dem OÖ. Schwarzen Kreuz, obliegt ihr doch die Pflege und Instandhaltung von insgesamt 22 solcher Friedhöfe im gesamten Gemeindebereich. Ein besonderer Dank wurde jedoch den Burschen und Mädchen der OÖ. Feuerwehrjugend ausgesprochen, die in einem beispielgebenden, mehr-tägigen Arbeitseinsatz die Friedhöfe Nr. 159 und 187 mustergültig renoviert und damit einen wichtigen Beitrag im Sinne einer humanitären Friedenserziehung geleistet haben, ein ergreifender Moment, zugleich ein symbolischer Akt zur Erinnerung an die zahlreichen Opfer aus dem Ersten Weltkrieg und gleichzeitig als Symbol für die Sinnlosigkeit von kriegerischen Auseinandersetzungen.
Danach improvisierte E-BR Huemer auf seinem Akkordeon eine Trompetenfanfare.
Unter den Klängen „Ich hatte einen Kameraden“ wurden drei Blumenarrangements mit den entsprechenden Erinnerungsschleifen von Gemeinde, Schwarzem Kreuz und dem OÖ. Landesfeuerwehrverband am großen Kreuz niedergelegt. Zum Schluss sangen die Jugendlichen und Betreuer unter ihrem „Chorleiter“ Christian Huemer gemeinsam in Habt-Acht-Stellung drei Strophen der Oö. Landeshymne, dem „Hoamatland“. Nach einem gemeinsamen Abendessen in der Schule wurden im
Rahmen eines kleinen Festaktes vom Landesfeuerwehrkommandanten LBD Robert Mayer als Symbol der Dankbarkeit und Anerkennung für die gute Zusammenarbeit zwischen Landesfeuerwehrverband, Schwarzem Kreuz, der Gemeinde Plesna sowie der Direktorin der Schule in Rzuchzowa Auszeichnungen verliehen und Ehrengeschenke überreicht. Mit guten Gesprächen und dem Austausch von Erinnerungen klangen die Abschlussfeierlichkeiten aus.
Mit dem Versprechen und in Absprache mit dem Schwarzen Kreuz Oberösterreich und dem Oö. Landesfeuerwehrverband in spätestens zwei Jahren wieder zu kommen, endete das Jugendlager, das als Zeichen einer friedensstiftenden, internationalen und humanitären Zusammenarbeit gesehen werden kann, mit der Heimreise am 8. August nach Oberösterreich, die ohne Zwischenfälle verlief.
Teilnehmer des Jugendlagers (namentlich angeführt):
Turnusleiter, Hauptorganisation, Kraftfahrer KDO 8 LFK, Dolmetscher f. Englisch, pädagogische Betreuung
E-BR Christian Huemer (FF Scharnstein, AFKDT a.D. GM)
Bildliche Dokumentation, Fotoverwaltung, Kassenverwaltung, Unterstützung Organisation
E-BR Josef RIEDL (FF Haag/H., AFKDT a.D. GR)
Kraftfahrer 01 BUS LFK, „ELF“, Betreuer, Geräteordnung, Versorgung
OBM Raimund STÖGER (FF Michaelnbach, GR)
Kraftfahrer 02 BUS LFK, „ELF“, Betreuer, Geräteordnung, Versorgung, „Klassen-Ordnungschef“
E-HBI Ernst PESENDORFER (FF Ohlsdorf, GR)
Kraftfahrer LAST 3 LFK, Betreuer und maßgebliche Unterstützung der Hauptorganisation, vorzüglicher Dolmetscher, „erste Anlaufstelle“ bei Organisationsfragen
OBI Marcin OGRODNIK (FF Rottenbach, GR)
Kraftfahrer KDO 8 LFK, Betreuer, „Geräte-Junkie“, „Forstmeister“
OAW Helmut AUTENGRUBER (FF Haag/H., GR)
Kraftfahrer LAST 3 LFK, „Friedhofsmeister“ und Geräteverwaltung, „Kärcher“-Chef
OBM Hofer Hermann (FF Kleinzell i.M., RO)
Mädchen-Betreuerin , „Obersanitäterin“ und „Call-Center-Chefin“, allgemeine Versorgung und Ordnung, Mädchen-KIT
HBM Karoline STÖGER (FF Michaelnbach, GR)
Mädchen-Betreuerin, maßgebliche polnische Dolmetscherin in Bezug auf Küche, allgemeine Versorgung und Ordnung, Mädchen-KIT
Margred OGRODNIK (FF Rottenbach, GR)
Jungfeuerwehrmitglieder des 4. Int. Feuerwehrjugendlagers in Plesna:
Kaltenberger Helena, Traxler Nora (FF Weitersfelden, FR), Aigner Raphael, Aschauer Moritz, Neustifter Moritz (FF Kirchham, GM), Hehenberger Simon, Rebhahn Glück Leon (FF Rottenbach, GR), Kottrasch Valentina, Spitzl Florian (FF St.Marien), Brandstetter Thomas, Leutgeb Lennard (FF Hargelsberg, LL), Happe Ben, Taschelmayr Anton (FF Pucking-Hasenufer), Berg Noah, Ganser Karin, Füreder Eva (Kleinzell/Mühlkr.)‚ Einzenberger Gabriel, Wallerberger Philipp (FF Pechgraben, SE), Garstenauer Moritz, Haselsteiner Isabella, Märzinger Simon, Schwarzlmüller Annalena, Weinmayr Alexander, Weinmayr Manuel (FF Reichraming, SE).
© E-BR Christian Huemer